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WEINWELTDas Auge trinkt mitvon Axel BieslerNein, auf
eine Blindprobe wolle er sich nicht einlassen, hätte ja schließlich genug für
diese Veranstaltung bezahlt, da würde er schon gern wissen, was ihm da so ins
Glas gegossen wird. Augen trinken schließlich mit. Und schauen nochmals genauer
hin, wenn sie es, wie bei dieser Probe, mit einer Sammlung der prominentesten
Güter vom linken Ufer aus dem klassischen Jahrgang 1994 zu tun bekommen (einziger
Ausreißer von rechts: Château Canon la Gaffelière). Die Phalanx bester
Bordelaiser Gewächse wurde im Oktober 2009 in Hannover einem Dutzend professionellen und interessierten Weinnasen eingeschenkt.
Dass alle Weine offen probiert wurden, ist ein wenig bedauerlich, wäre eine
Blindprobe, mit dem ein oder anderen preiswerten Piraten darunter, doch ideale
Grundlage für die Validierung einer bemerkenswerten amerikanischen Studie
gewesen. Indes wollte eine potentielle Blamage von den Teilnehmern am Ende nicht
auch noch teuer bezahlt werden. Nachvollziehbar, denn wer Berühmtes trinkt,
möchte sehen. Und gesehen werden. 1. Château Lafite-Rothschild, Pauillac, Premier Cru (ca. 300 Euro)2. Château Latour, Pauillac, Premier Cru (ca. 270 Euro)3. Château Margaux, Margaux, Premier Cru (ca. 230 Euro)4. Château Haut-Brion, Pessac-Léognan, Premier Cru (ca. 200 Euro)5. Château Mouton-Rothschild, Pauillac, Premier Cru (ca. 190 Euro)6. Château Leoville-Las Cases, Saint Julien, Deuxième Cru (ca. 80 Euro)7. Château Pichon-Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac, Deuxième Cru (ca. 80 Euro)8. Château Haut Bailly, Graves, Cru Classé (ca. 60 Euro)9. Château Canon La Gaffelière, Saint Émilion, Grand Cru Classé (ca. 50 Euro)10. Château Pontet Canet, Pauillac, Cinquième Cru (ca. 50 Euro)11. Château Sociando-Mallet, Haut Médoc, Cru Bourgeois (ca. 40 Euro)12. Château Duhart-Milon-Rothschild, Pauillac, Quatrième Cru (ca. 40 Euro)Der Lafite-Rothschild zeigte deutliche Noten von Lösungsmittel und wird in dieser Gegenüberstellung deshalb nicht berücksichtigt. Da sowohl Robert Parker als auch René Gabriel diesen Wein mit 90+/100 bzw. 18/20 Punkten recht hoch bewerten, ist von einem Flaschenproblem auszugehen. Die Weine wurden nach dem traditionellen „Hannover-System“ bewertet, bei dem lediglich zehn Punkte zu verteilen sind. Das Resultat überrascht nur an wenigen Stellen: 1. Château Latour, Pauillac (9,0 Punkte)2. Château Mouton-Rothschild, Pauillac (8,6 Punkte)3. Château Haut-Brion, Pessac-Léognan (8,5 Punkte)4. Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac (8,4 Punkte)5. Château Margaux, Margaux (8,3 Punkte)6. Château Leoville-Las Cases, Saint Julien (7,8 Punkte)7. Château Pontet Canet, Pauillac (7,7 Punkte)8. Château Haut Bailly, Graves (7,5 Punkte)9. Château Canon La Gaffelière, Saint Émilion (7 Punkte)10. Château Sociando-Mallet, Haut Médoc (6,8 Punkte)11. Château Duhart-Milon-Rothschild, Pauillac (6,1 Punkte)In der Beurteilung des Geschmacks in Relation
zum Preis machten Pichon Longueville Comtesse de Lalande (von 7 auf 4) und der
Pontet Canet (von 10 auf 7) die deutlichsten Sprünge nach oben und bieten
demnach das beste Preis/Genuss- Verhältnis. Château Margaux (von 3 auf 5) und
Château Mouton Rothschild (von 5 auf 2) tauschten zwar mehr oder minder die Plätze, doch
ist dieser Wechsel nicht weiter bemerkenswert, da ihre Preise mit 230 bzw. 190 Euro
recht nah beieinander liegen. Zum Vergleich: Der von Platz 7 auf Platz 4
gekletterte Pichon Longueville Comtesse de Lalande ist mit ca. 80 Euro gelistet
und nun eingerahmt von Weinen, die mehr als das doppelte kosten. Darüberhinaus gab
es keine signifikanten Veränderungen. Mehr noch: Die Château-Reihenfolge nach
dem Kriterium „Preis“ ist mit der nach dem Kriterium „Geschmack“ beinahe
identisch.
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03. September 2010
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© 2010 Axel Biesler |
aktualisiert am 12.05.2010 |