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WEINETORDAYS BORDEAUX MIT TEE UND RIESLINGDer Anfang ist das Ende. Die zweite Flasche 82er Pétrus schafft Wilberforce nicht mehr. Er fällt vom Stuhl und in ein dreitägiges Koma. Die Diagnose seines letzten Freundes, ein Arzt, ist dann auch keine Überraschung: „Deine Leber ist dabei, sich aufzulösen, dabei steigt dein Cholesterinspiegel, was die Gefahr eines Hirnschlags oder eines Herzinfarkts erhöht.“ Was dann folgt ist die Geschichte eines rasanten Abstiegs des ehemals erfolgreichen Programmierers Francis Wilberforce, der sein IT-Unternehmen verkauft und den Erlös in ein Anwesen samt bestens gefülltem Weinkeller investiert. Paul Torday erzählt diese Trinkerkarriere sinngemäß in vier Jahrgängen. Eine Wilberforce-Vertikale. Die beginnt mit den jüngsten Jahren (2006 & 2005 sind in einem Kapitel zusammengefasst) und endet mit 2002. Bei hochwertigen Bordeaux-Weinen verhält es sich in aller Regel so, dass sie mit zunehmender Reife besser werden. Für den Roman „Bordeaux“ trifft das nicht zu. Die Geschichte beginnt furios. Torday gelingen dramatisch-wahnwitzige Bilder eines Mannes, der dem Wein und dem Wahn verfallen ist, sich in einem Moment mit einem seiner zahllosen Gewächse ernsthaft auseinanderzusetzen weiß und sich im nächsten nach Bogotá fantasiert. Das alles ist bedrückend erzählt und gewinnt durch Tordays Erzähltechnik zusätzlich an Fahrt. So bedrückend, dass nicht ein Bordeaux, sondern ein Darjeeling der passende Begleiter der ersten beiden Jahre ist. Über augenscheinliche Wissensdefizite des Autors bei der Weinherstellung (oder ist es einer schludrigen Übersetzung gedankt?) hilft allerdings auch der starke Beginn nicht hinweg. So heißt es an einer Stelle: „…Trauben, die in einer Abbeermaschine entrappt und dann in die Cuve gepumpt werden, wo sich über viele bange Tage und Nächte die Gärung vollzieht. Danach werden die Beerenhäute wieder hinzugefügt, und über weitere zehn bis vierzehn Tage erfolgt die Mazerierung, die dem Wein Farbe und Körper gibt.“ Mit der Schilderung Wilberforce’ Aufenthalt in der Entzugsklinik beginnt dann auch die Geschichte zu schwächeln: Klischees werden überreichlich bedient und der Humor (wenn’s denn humoristisch gemeint sein soll) wirkt arg herbeigezwungen. Um der Langeweile der episch-breiten Darstellung einer Moorhuhnjagd im letzten Jahrgang zu entkommen, darf es dann auch wieder Wein sein: Knackiger Riesling hilft, aber nur ein bisserl.
Bordeaux - Ein Roman in vier Jahrgängen von Paul Torday
Darjeeling Tee vom freundlichen Händler
Knackiger Gutsriesling aus der Pfalz
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08. September 2010
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© 2008 Axel Biesler |
aktualisiert am 10.09.2008 |