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WEINEMcCARTHYS DIE STRAßE UND RINGS' WINTERHALTAusgelesen – vorbei. Weder Wein noch Wasser. Kein Schluck. 253 Seiten lang nicht. 253 Seiten lang wurde es nicht hell. Ständiger Winter. Auf verbrannte, tote Erde hat Cormac McCarthy seine Helden gesetzt: Vater und Sohn. Namenlos. Beide. Protagonisten einer Reise. Einer Reise, die von Anfang an verloren ist. Über schwarzes Land, spärliche Sätze miteinander wechselnd, hetzt McCarthy sie. Die Ursache der Apokalypse bleibt bis zum Schluss unklar. Der lebensmüde Vater schiebt einen Einkaufwagen, bestückt mit überlebenswichtigen Utensilien, über totes Land und leere Strassen. Was ihn am Leben erhält, ist das Überleben seines Sohnes. Mühelos ließe sich daraus eine kitschig-barbarische Geschichte stricken. Doch McCarthys schonungslos minimalistische Prosa, deren Verdichtungen an Agota Kristofs Trilogie erinnern, hütet sich vor unheilvollen sprachlichen Verzierungen und schafft es so, das Unbeschreibbare zu beschreiben, den Leser in einen dunklen, kalten Sog zu ziehen, sich dem zu entziehen, auch nach der letzten Seite nicht gelingen will (und auch gar nicht soll). Nein, es braucht jetzt einen ebenso dichten, auf das allernötigste reduzierten Wein, um diese Atmosphäre für eine Zeitlang zu bewahren. Dass dieser nun Winterhalt heißt, ist dem Namen seiner Parzelle zu verdanken, schafft aber auch im Wortsinn einen fließenden Übergang von der Fiktion zum Wein und schließlich langsam zurück in die Wirklichkeit. Das Pfälzer Weinörtchen Freinsheim war bisher für große Rieslinge bedeutungslos. Steffen und Andreas Rings haben in ihrer unnachahmlich lakonischen Art einen faszinierenden Freinsheimer Riesling geschaffen: kraftvoll, doch ohne kitschige Attitüde. Reduziert, doch alles andere als leer. Ein Outlaw-Riesling allererster Güte. Einer für nach „Die Straße“.
www.perlentaucher.de/buch/26662.html
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08. September 2010
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© 2008 Axel Biesler |
aktualisiert am 13.06.2008 |