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Martin Waßmer: Sieger beim Deutschen Rotweinpreis
Zwischen Spargel und Côte D'Or

 

"Das eigentliche Geheimnis eines besonderen Weines ist entschieden mehr als sorgfältiges und perfektes Arbeiten in Weinberg und Keller. Es ist Demut und Liebe, es ist Leidenschaft und Hingabe, es ist wachsame Aufmerksamkeit und ständige Sorgfalt um Boden, Rebstock und Traube." So steht’s, mit ein wenig Pathos geschrieben, auf der ersten Seite im edlen Prospekt des Weingutes „Martin Waßmer“ im Markgräflerland. Natürlich wecken solche Worte die Neugierde oder auch Skepsis eines Weinliebhabers, sei es um sie später als größenwahnsinniges Geschwätz eines untalentierten Winzers und schäbigen Poeten zu entlarven oder um dann doch eigenständige Weine zu finden, von denen es leider immer weniger gibt. Weine, die tatsächlich halten, was die großen Worte dieses kleinen Katalogs versprechen und denen man ad hoc nicht so recht glauben will. Wie könnte man auch.

Jedes Weingut, jede Winzergenossenschaft beschwört heutzutage in schönster Weinprosa ihr ausgezeichnetes Mikroklima, ihre besonderen Bodenformationen und äußerst schonenden Ausbauverfahren. Man spricht beim Thema Wein gerne vom Naturprodukt, in Wirklichkeit kann es sich kein Weingut mehr leisten, einen Wein zu erzeugen, der allein von der Natur hervorgebracht wurde. Unter heutigen Maßstäben wäre ein solches Gewächs vermutlich ungenießbar. Trotzdem ist der undifferenzierte Gebrauch von Vokabeln wie "unfiltriert" oder "spontan vergoren" fast schon inflationär.

Winzergenossenschaften haben nicht selten mehr als 100 Mitglieder – eine lange Arbeitskette. Bis der Wein schließlich auf die Flasche gefüllt ist, kann vom Terrior zwangsläufig nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Wenngleich der Wein durchaus gut geraten kann. Der Weintrinker fragt sich aber zu Recht, wie viel wohl dran ist am "natürlichen" Ausbau.

Das Kurstädtchen Bad Krozingen, mitten im sonnenverwöhnten Markgräflerland, ist bekannt durch seine Mineral-Thermalquelle. Wie bei vielen Städtchen, die das begehrte "Bad" in ihrem Namen tragen, stieß man auch hier bei Bohrungen auf eine meterhoch sprudelnde Quelle. Im Sommer verströmen die "Vita Classica" und ein paar andere moderne Wohlfühlbäder einen dezenten Chlorgeruch. Wenn Sie guten Wein probieren möchten und nicht unter Arthrose leiden, empfiehlt es sich, von Freiburg kommend Bad Krozingen schnurr stracks zu durchfahren, rechts hinein in das kleine Dörfchen Schlatt. Seien Sie nicht enttäuscht, denn während Ihr Auto über einen schmalen Feldweg holpert, erhebt sich auf den breiten weißen Mauern eines stattlichen Zweckbaus nichts weiter als ein großer schwarzer Schriftzug: "Spargelhof M. Waßmer" steht da.

Nein, Sie haben sich nicht verfahren. Martin Waßmers Standbein ist der Anbau von Spargel und Erdbeeren. Aber seine Leidenschaft gilt dem Wein, dem Rotwein, dem aus Burgund. Pinot noir! Seine Vorbilder sind keine geringeren, als die Spitzenerzeuger der Côte D’Or. Nachdem er zum ersten Mal von einem Romanée-Conti gekostet hatte, gab es für ihn kein Zurück mehr. Waßmer wollte erstklassige Rotweine aus der Spätburgundertraube erzeugen. Und das in seiner Heimat, die ja bekanntermaßen eher für den Gutedel bekannt ist.

Der gelernte Koch und Landwirtschaftsmeister brachte sich alles selbst bei, was mit Wein zu tun hat. Er besuchte Seminare, las Bücher, hörte sich um. Dass die Spargel- und Erdbeersaison allein schon ein enormes Arbeitspensum bedeuten, kümmert ihn dabei wenig. Der Austritt aus der Winzergenossenschaft 1999 war nur eine logische Folge. Auf tiefgründigem Lehm-Kalkgestein ersetzt er nun nach und nach seine alten Spätburgunderreben durch ertragsschwache burgundische Klone. Bis die allerdings einen nennenswerten Ertrag bringen, wird es noch ein paar Jahre dauern. Einstweilen tut Waßmer genau das, was alle anderen qualitätsorientierten Winzer auch tun: er dünnt kräftig aus. Sechs bis acht Trauben pro Stock akzeptiert der leidenschaftliche Weinmacher. Damit die Trauben unverletzt bleiben, werden sie bei Waßmer in kleine Plastikbehälter gelesen. Denn nur so macht eine spätere "Kaltmazeration" Sinn. Lediglich eine von vielen Maßnahmen, die er sich bei den "Großen" abgeguckt hat.

Um eine zu schnelle Angärung zu vermeiden, werden die intakten Beeren in einem Eichengärbehälter gekühlt und mit einer Schicht aus Kohlendioxid bedeckt. Die einsetzende Gärung in den Beeren (intrazelluläre Gärung) verhilft den Weinen später im Idealfall zu einer komplexeren Aromatik. Erst danach erfolgt die klassische Maischegärung. Waßmers Flagschiff, die "SW" (Selection Waßmer) reift ausschließlich in neuen Barriques. Und das kann zwölf bis achtzehn Monate dauern. Beim 2001er „SW“ (19,90 Euro) waren es genau dreizehn Monate. Herausgekommen ist ein gleichermaßen komplexer wie eigenständiger deutscher Rotwein, der es spielend mit den "Großen" der Weinszene aufnehmen kann und dies auch schon getan hat.

Beim "Rotweinpreis 2003" der Zeitschrift "Vinum" belegte die Selection den ersten Platz und wurde in der Königsdisziplin zusammen mit einer punktgleichen trockenen Auslese vom Weingut J. Adeneuer als bester Roter Deutschlands gekürzt. Ein schöner Erfolg. Aber auch bei den preiswerteren Weinen überzeugt Waßmer. Der "2001 Markgräfler Spätburgunder" (6,50 Euro) besticht durch dezenten Holzeinsatz und klare Frucht. Und auch die Weißweine geraten sehr gut, allen voran der im Barrique ausgebaute opulente "2001 Grauburgunder »R«“ (12,50 Euro), dem sein barocker Stil gut steht.

 

Weingut Martin Waßmer,
Am Sportplatz 3, 79189 Bad Krozingen-Schlatt,
Tel.: 07633 / 15292

www.weingut-wassmer.de

 

Erstveröffentlichung im Slow Food Magazin, Nr.1/2004

 

08. September 2010

 

 

 

 

Martin Waßmer bei der Weinprobe

 

 

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aktualisiert am 17.03.2007