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Weinempfehlung
2004 BIG FISH Riesling QbA trocken Rüdesheimer Berg Rottland Weingut George, Geisenheim RHEINGAU
versus
2004 DR. FRANZ BREUER Riesling Spätlese trocken Weingut Friedrich Altenkirch, Lorch RHEINGAU
Folgende Probe ist im absolut reizfreien Raum
durchgeführt worden. Beide Weine wurden parallel im stets aphotischen Bereich
der abyssischen Region der Tiefsee von professionellen Weinkritikern probiert
und beurteilt (siehe Bild). Starke Strömungen kommen hier selten vor, sodass
der direkte Austausch von Geschmackseindrücken jederzeit möglich war. Die
Wassertemperatur war bei -1 bis 4°C gleich bleibend niedrig. Der anerkannte
Bordeauxsammler, Hardy Rodenstock, hat erst kürzlich seine gesamte Sammlung in
den Tiefen der Baltischen See versenken lassen. Künftig werden seine legendären
Proben ebendort stattfinden. Den genauen Treffpunkt gibt der populäre Sammler
in seinen exklusiven Einladungen bekannt. Zu den Weinen. Prolog: Gesucht wurde
auf „One of Germany’s leading Wine-Blogs“ ein „Gänsehautwein“, ein Riesling,
und aus dem Rheingau sollte der sein. Angezettelt hatte die Suche „Anobella“.
Die Dame ist erfahrenen (Wein)Bloggern bekannt. Die Resonanz auf ihre Frage war
beachtlich. Sicherlich wurden in dieser Diskussion hervorragende Weingüter im
Rheingau empfohlen, aber sind diese in der Lage, Weine mit „Schaudereffekt“ zu
erzeugen? „Gänsehaut“ hat mit Sensibilität zu tun. Mit der Fähigkeit, Reize
wahrzunehmen. Das kann jeder. Doch bis sich beim Genuss eines Weines, eine „Gänsehaut“
einstellt, braucht es doch einiges. Vor allem: Feinheit und Grazie. Da bietet
der Rheingau, mit seinen gemischten Böden, eben nicht immer die besten
Bedingungen. Grazie ist eine Steilvorlage für den Schiefer. Und hätte Anobella
danach an Mosel, Saar oder Ruwer gesucht, die Resonanz auf ihre Frage wäre
vermutlich überwältigend gewesen. Aber sie wollte den Rheingau. Nun denn.
Gefallen fand sie (mehr dem Namen nach) an einem aus der Spitzenlage Rottland
mit dem poppigen Titel „Big Fish“ vom Weingut George in Geisenheim. Warum sein
Winzer, Jürgen Wagenitz, ihn noch mit „Big Fish“ überschreiben musste, bleibt
sein Geheimnis. Der Wein ist gut, vielleicht sogar ein Tick besser. Gänsehaut
erzeugt er nicht – überhaupt nicht. Traditionelle Weine aus dem Rheingau sind
eher streng, wenn sie denn trocken sind und wollen mit „Gänsehaut“ nichts zu
tun haben. So ist das auch beim „Big Fish“. Ich mag ihn, den „Big Fish“, weil
er Kraft, eine beachtliche Länge hat und seine Herkunft nicht leugnet. Und die
besteht aus: Quarzit, Schiefer, Kies und Löß. Zur Grazie. Und auch die gibt es
mitunter im Rheingau. Am ehesten an der Grenze zum Mittelrhein – bei Lorch. Da
gibt’s viel Roten Schiefer, Garant für Grazie. Wenn ein Macher dahinter steht,
der so etwas will. Peter Weritz vom Weingut Friedrich Altenkirch will guten
Wein, wenn dabei Grazie herausspringt, ist ihm das auch recht. Grazie kommt
nicht von jetzt auf gleich. Der Gestus braucht Zeit. Dem 2004er „Franz Breuer“
Spätlese trocken hat Weritz alle Zeit der Welt gelassen – nämlich ein ganzes
Jahr der Gärung! Auf Rotschiefer gewachsen, süßer, aber mit mehr Säure
geerntet, als die Trauben aus 2003. Und den Most zu Wein machen lassen. Und was
für einen Wein. Einen für Anobella. Bitteschön: GOOSE-SKIN.
Bezugsquellen und Preise:
2004 BIG FISH Riesling QbA trocken, ca. € 8,90 bei www.gutsweine.com
2004 DR. FRANZ BREUER Riesling Spätlese trocken, ca. € 8,55 bei www.weingut-altenkirch.de
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08. September 2010

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