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Unterwegs in der Weinwelt

Dramatisches von der Rhône

von Axel Biesler

 

Das Jahr 2006 hatte kaum begonnen, als die Familie  Jaboulet sich gezwungen sah, ihr Traditionshaus Paul Jaboulet Aîné zu verkaufen. Offiziell wurden die, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, horrenden Erbschaftssteuern als Grund für den überraschenden Verkauf genannt. Weinberge und Weinbestände gingen in den Besitz der Compagnie Financière Frey, die erst einige Tage zuvor das Champagnerhaus Ayala an Bollinger veräußerte. 1997 wurde das legendäre Weingut Paul Jaboulet Aîné in den erlauchten Kreis der Premium Familiae Vini (PFV) aufgenommen, zu dem unter anderen auch Antinori, Mouton Rothschild, Pol Roger und Vega Sicilia gehören. Die Vereinigung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Interessen und Traditionen ihrer exklusiven Mitglieder zu schützen und zu unterstützen - eine gegenseitige Versicherung. Ihre Mitgliedszahl ist auf 12 Familien begrenzt. Dass auch Robert Mondavi einmal zu dieser exklusiven Vereinigung gehörte, ist nachvollziehbar. Dass der Verkauf von Mondavi ebenso wie der von Jaboulet den Ausschluss bedeutete auch. Da konnte selbst PFV (www.pfv.org) nicht mehr helfen. Eine Tradition wurde geschluckt. Was bleibt übrig im kleinen Städtchen Tain L’Hermitage an der nördlichen Rhône? Valrhona natürlich. Aber die machen ja keinen Wein. Weine gibt es, die schmecken nach Valrhona. Die La Chapelle Gedächtnisschokolade gibt es noch nicht.  Neben der berühmten Kapelle steht mittlerweile eine unansehnliche Antenne, die das Bild von Tradition und Erhaltung ziemlich erschüttert.

Im Städtchen steht das Stammhaus von Chapoutier (
www.chapoutier.com). Seit 1990 lenkt Michel Chapoutier, Held der Biodynamie, die Geschicke dieses Traditionshauses. Ausgerüstet mit einem Hochleistungsdynamisierer, der die Rezepte nach Maria Thun im Akkord anrührt. Bemitleidenswerterweise ist das Gut nur noch mit einem Pferd bestückt, das die biodynamisch bewirtschafteten Weinberge beackern muss. Und gerade einem(!) Fachmann, der den Pflug sicher steuern kann. Und den unvermeidbaren Kuhhörnern, die irgendwo in der Appellation Saint Joseph, auf der anderen Rhôneseite vergraben sein sollen, wie uns der Chef de culture erklärt. Das alles muss gemeistert werden. Der Mondphasenkalender kennt kein Pardon. Durch zig Hektar strömt die Energie der Elemente im Zeichen der Harmonie. Etwa 250 Hektar bewirtschaftet Chapoutier mittlerweile. Knapp die Hälfte der Weine wird nach biologischen oder biodynamischen Richtlinien erzeugt. Alles spontan vergoren versteht sich, wie uns die Pressedame versicherte. Die 95 Mitarbeiter sind damit beschäftigt, das „uralte Gedächtnis im Wein“ zu wahren, so das Credo ihres Herrn. Der Paketdienst bringt eine Lieferung von La Littorale (www.lalittorale.de).

In der Appellation Saint Joseph suchen wir nicht lange nach den Kuhhörnern, sondern probieren in Mauves die grandiosen Weine von Pierre Gonon (34, Avenue Ozier, 07300 Mauves). Seine Weißen bestehen zu einem großen Teil aus Marsanne mit kleinen Anteilen von Roussanne. Bei bis zu 15% vol. wirken diese Weine jedoch niemals schwer. Auf Granit- und Lehmböden gewachsen, strotzen sie vor Mineralität und Ausdruckskraft. Auch die Roten verzaubern: Reinsortige Syrahs, die so spielerisch und komplex daherkommen, dass einem das Herz aufgeht.

Stanislat Wallut ist kein Freund großer Worte. Stanislat Wallut (
www.domainedevilleneuve.com) ist ein Freund großer Weine. Und weil es davon nicht viel geben kann, macht er eben nur einen: den Domaine de Villeneuve „Le Vielles Vignes“. Zu gut einem Drittel besteht sein 2003er Bauhaus-Châteauneuf-du-Pape aus Trauben von etwa 90jährigen Reben. Auch der Rest erfreut sich schon eines seriösen Alters von etwa 35 Jahren. Die Tête de cuvée besteht hauptsächlich aus Grenache (ca. 70%). Es folgt Mourvédre mit etwa 15%. Den kleinen Rest machen Syrah und Cinsault unter sich aus. Gropius weiß Rat, will man versuchen ihren Charakter zu beschreiben, denn sie ist genau das Gegenteil von dem, was man heute unter Styling versteht. Dieser Wein schert sich nicht darum. Form Follows Function ist ihm wichtiger. Wallut auch: sein Wohnzimmer geht nahtlos in ein spartanisches Probierzimmer über, das zu Essenszeiten mit Sicherheit auch sinnvoll genutzt wird. Wallut ist Künstler und Handwerker.

Die Appellation Gigondas wird beherrscht von einer messerscharfen Trias-Bergkette. Die Dentelles de Montmiral, wie sie treffend heißt, findet man als Motiv immer wieder in dieser Gegend und über sie hinaus. Auch auf dem Etikett der Weine der Domaine la Bouissiere (Gilles & Thierry Faravel, 84190 Gigondas).
  Kalkgestein und wenig Regen bilden die kargen Lebensbedingungen der Syrah-, Grenache- und Cinsaultreben. Die Erträge übersteigen selten eine Menge von 30 hl/ha. Der 2001er Gigondas riecht nach Datteln und Pflaumen. Die Trauben wurden nicht entrappt, was dem Wein einen (immer noch) ungestümen Charakter verleiht. Er könnte nicht besser in diese Landschaft passen.

Südlich von Gigondas liegt die 7400 Hektar große Appellation Côtes du Ventoux. Auch dort wird die Landschaft durch einen Berg geprägt: den 2000 Meter hohen Mont Ventoux. Die deutschstämmige Corinna Kruse macht hier eine saftige Mischung aus Grenache, Syrah, Cinsault und Carignan mit dem Namen Martinelle (
www.martinelle.com) zu einem gutgelaunten Preis/Genussverhältnis.

 

 

08. September 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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aktualisiert am 17.03.2007