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Rundum Sorglos:
Das 1. Drachenboot-Rennen der bayerischen Gastronomie

 

Wer in oder um Köln lebt, kann es mit dem Liblarer See versuchen. Kann, muss aber nicht, denn bevor man dort einen winzigen Fleck Wasser zu Augen bekommt, wird man schon betäubt vom Getöse des Liblarer-Camping-Down-Towns. Fundamental. Und keineswegs einzig von Geräuschen unzähliger Flip-Flops und gurgelndem Rei in der Tube geprägt. Der Weg durch auf ewig installierte Wohnwagen ist auch optisch eine Tortur. Trinkwasserqualität soll das Wasser haben. Nützt nix. Die Größe des Strandes gleicht einem Sandkasten. Und wenn selbst die Kleinsten darüber noch meckerten, Unrecht hätten sie nicht. Wo der mickrige Strand beginnt, kleben die Lebenslang-Pächter nebst Dackel auf ihren Gartenstühlen und übernehmen die Kontrolle.

Jörg linke, Weinhändler aus Hohenbrunn, hat bestimmt nichts gegen Kontrolle. Getöse mag er vielleicht nicht, leise muss es aber auch nicht sein. Getöse: Wahrscheinlich kommt es daraus an, wie man es macht. Jörg Linke ist kein lauter Mensch. Der Mann lebt in Oberbayern, einer Gegend mit beachtlichem Erholungswert. An Erholung scheint ihm zu liegen. Kein Wunder, der Mann verkauft Weingenuss. „Genuss ist ein essentieller Bestandteil menschlichen Lebens: Genuss intensiviert den Lebenssinn und steigert das seelische wie auch körperliche Wohlbefinden“, konstatiert Tanja Wolf, Professorin für Sozial- und Organisationspsychologie an der EFH Freiburg. Und was die Wissenschaftlerin in ihrer lesenswerten Publikation „Genuss und Gesundheit“ (2002, Kölner Universitäts-Verlag) sonst noch beobachtet hat, Linke scheint es wie von selbst aufgenommen zu haben - und zu leben. Genuss als Antrieb, um mehr zu genießen. Die Professorin formuliert das so: „Genuss motiviert vielfach den latenten Wunsch nach mehr Genuss und noch nicht erlebten Genüssen, auch wenn damit gewisse Risiken verbunden sind.“

Geschäftstüchtige Weinhändler schließen ihre Läden sonntags auf und präsentieren schlückchenweise ihr Programm. Das Risiko, sich mit dem Genuss zu übernehmen, liegt dann beim Kunden. Bei Linke sieht das so aus: Dem Hong Kong International Dragonboat Race und dem World Championchips der IDBF in Yueyang (China) bietet er kurzum Paroli. Er lädt zum 1. Drachenboot-Rennen der bayerischen Gastronomie am Starnberger See ein. Freunde und Partner unterstützen ihn dabei. Das Risiko, sich bei einem solchem Event zu vertun, bleibt da schlicht beim Veranstalter. Und schraubt bei Genuss, den Wunsch nach noch mehr Risiko nach oben.

Schön, dann mal los. Und es war schön. Wie sich an einem Tag der Sommer von seiner kaiserlichen Seite zeigte, und hunderte Menschen an den tiefen See zusammenfanden, um eines zu tun: zu genießen. Dass bei den Rennen erwünschte Haupt- und Zwischenphasen schnell in ungleichartige Paddelbewegungen übergingen, mag man den Laien nachsehen. Am hinteren Ende der Boote stand jeweils ein professioneller Steuermann am Langruder und schimpfte freundlich. Wild entschlossen stachen Paddel in den See. Im besten Fall sechzehn je Boot. Trommler gaben den Takt vor. Sie gaben ihr bestes, sagen wir es so. Sommeliers, Journalisten, Winzer und Gastronomen lieferten sich packende Wettkämpfe, deren Getöse die Votivkappelle für Ludwig den II. am anderen Ende des Sees erzittern ließ. Was für ein Sound!

Am Ufer ging’s gelassener zu: Furztrockener Schilcher von Strohmeier sorgte für lustige Grimassen, die Cuvées „Ex Vero“ vom Weingut Werlitsch für Erstaunen: viel Extrakt und Stoff bei unter 12% vol. Alkohol. Ungewöhnlich für Weine aus der Steiermark. Fünfundzwanzig österreichische Gewächse waren am Start – eine großzügige Auswahl. Ebenso großzügig wie das Barbecue, das vom Mittag bis zum Abend für andauernde Stärkung der wild entschlossenen Paddler sorgte.

Das alles hatte Stil, war ungezwungen und formte sich zu einem Genuss-Event wie man es nicht alle Tage erlebt: Bewusst, gezielt und intensiv erlebt!

Der guten Ordnung halber hier die Platzierungen:

1. Hofkücherl, Forstinning
2. Käfer
3. Gastronomie-Report
4. Deutsche Wein- und Sommelierschule
5. Deutsche Sommelierunion und Blindprobe.com
6. Sushi & Soul, Ksar & Friends
7. Stoelzle Glas
8. Winzer aus Österreich
9. Der Pschorr

Axel Biesler

 

08. September 2010

 

 

 

 

 

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aktualisiert am 13.08.2007