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WEINWELTBieslers WeinstubeText: Axel Biesler
KLEINE WÜRZBISSEN UND RIESLING SEKT VON HANS LANG Oft bin ich diesen Weg gegangen. Hauptbahnhof, Schauspielhaus, Sophienstraße, Treppe tiefer. Wie oft? Herr D sagt, er sei tausendmal da gewesen. Und Herr D war meistens schon da, wenn ich kam. Oder kam noch. Herrn D gehört ein großer Orden verpasst. Er war vom Anfang an dabei. Und blieb bis zum Schluss.
GÄNSESTOPFLEBER
– PASSIONSFRUCHT – ZIEGENKÄSE VON SVEN Gestritten haben wir hier. Gelacht. Viel gelacht. Und Tränen gabs gewiss auch. Herr F ist zum ersten Mal hier. Er sagt, dass es genau das wäre, was der Gastronomie heute fehlen würde. Seele. Die Menschen würden danach suchen, sagt er. Vergeblich zuweilen. Sven Elverfeld will sich gerade wieder ins Kissen wälzen, als mein Vater ihn anruft und fragt, wo er abbliebe. Er kommt. Sein Gang aber ein bisserl später.
ZANDERFILET
AUF WONNEGAUER KRAUT – SPECKSCHSAUM – Dubs brät geschwind seinen Zander. Zum Raubfisch gibts Kraut und grandiosen ‚Blutwurstbaumkuchen‘ (davon hätte es mehr sein dürfen!). ‚R‘ von Kühn im Glas. Zu Fisch und Wurst ist der Wein eine Wunderwaffe. Und sonst auch. Ich bin glücklich. Alle anderen sehen so aus. Bin mir ziemlich sicher, sie sinds auch.
DIALOG DER FRÜCHTE VON HANS-PETER WODARZ Der Riesling, sagt mein Nachbar, hätte eine Buchsbaumnote. Schwarze Johannisbeere meine ich. Der Grad zwischen der Wahrnehmung von Buchsbaumaroma oder Cassis scheint mir sehr schmal zu sein. Dosis facit venenum.
GESCHMORTE
BACKE VOM IBERICO-SCHWEIN – FALSCHE Mit einem Strich Kumquatspesto. Genial! Und dazu diesen Spätburgunder, der für mich zu den ganz Großen aus 2006 zählt. Ich erinnere mich an die ersten Wochen als Lehrling im Keller der Berchers, wo es ständig Kommandos hallte, die ich nicht verstand: „Axel (lange Pause). Jetz gehsch hiii. (kürzere Pause). Unn schpritzsches dä Tangk achdädrissig üss (Pause). Aber fu üsse nach inne. Unn vergiss ess Probiarhähnli nitt. Unn dann machschs Standrehrli süüfer – volles Rohr driispritze bisses obä widder rüsskummt – zwei mool.“ Über 75 Millionen Deutsche können kein badisch.
SÜSSES POTPOURRI
VON BERND SIEFERT MIT 2005 RIESLANER Rainer Wagner schreibt in der HAZ: „Für den Ausklang sorgte Bernd Siefert mit seinem ‚süßen Potpourri‘, einem schaumgewordenen Traum der Dessert-Poesie.“ Dem bliebe noch so viel hinzuzufügen. Doch wir schließen hier. Das letzte Stakkato. Kurz und knackig. Nach guter biesler Weinstubensitte: Prost und Mahlzeit. Vielen Dank.
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08. September 2010
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© 2009 Axel Biesler |
aktualisiert am 27.03.2009 |