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Unterwegs in der Weinwelt
Am Fluss der Könige
von Axel Biesler
Wer an die Loire denkt, dem fallen sicher zunächst die prachtvollen Renaissance-Schlösser und
Jagdhäuser ein. Über Jahrhunderte hinweg war das sonnige Tal der Vorgarten von
Versailles und Feriendomizil der französischen Könige und Adeligen. Von
rücksichtslosen Flussbegradigungen ist die Loire weitgehend verschont
geblieben. Die unzähligen Mäander dieses „königlichen Flusses“ machen ihn so auch
heute noch zu einem unverbrauchten Stück Frankreichs. Ganz anders als im geschäftigen
Paris, scheint an der Loire die Zeit ein wenig still gestanden zu sein. Das ist
gut für die Natur und oft auch gut für den Menschen.
Ob diese romantische Abgeschiedenheit auch den Weinen dieses
500 km langen Anbaugebietes gut tut, mag dahingestellt sein. Fest steht, dass
viele Gewächse dieser Region außerhalb Frankreichs nur wenig bekannt sind. Und
das zu Unrecht.
Das Mittlere Loiretal – von Tour bis Angers - stand im
Mittelpunkt dieser Reise. Und die begann in der Appellation Vouvray mit einem kleinen
Paukenschlag. In der Domaine des Hautes Roches (www.leshautesroches.com), unweit von Tours, wurde
vorzüglich aufgekocht. Aus der Küche kamen frischer Steinbutt und Rotbarbe, ins
Glas wurden Chenin Blancs der Region gegossen und ergaben mitunter spannende
Kombinationen.
Aus Chenin Blanc lassen sich beachtliche Weine machen.
Mineralisch und mit dezenter Restsüße, war ein 2001er Vouvray sec der Domaine
Brisebarre (Vallée Chartier, 37210 Vouvray) der perfekte Begleiter zum ebenfalls
leicht süßlichem Püree von Karotten in der Vorspeise. Aber auch beim Steinbutt
kann Chenin mithalten. Konzentriert und dicht, ohne überbohrende Frucht ließ
ein 2002er „L’Indigène“ der Domaine Bourillon Dorléans dem seltenen Fisch gerne
den Vortritt, ohne sich dabei selbst aufzugeben.
Auf derart hohem kulinarischen Niveau ging es an den
folgenden Tagen freilich nicht weiter. Zum Glück, denn die Weine der
Appellation Vouvray sind äußerst vielfältig und können eine Vesper ebenso wie
ein anspruchsvolles Menü kongenial begleiten.
Die Gewächse der Domaine Allias in Vouvray (www.tours-online.com/allias/) bewiesen, dass aus der
Chenin Blanc-Traube beeindruckende Süßweine mit beachtlichem Potenzial erzeugt
werden. Ein „Moelleux R“ aus dem Jahre 1990 betörte mit dem Duft reifer Quitten
und faszinierte durch sein Spiel von Süße und Säure. Exemplarisch, die Architektur
dieses Gutes: in den weichen Tuffstein gehauen, findet man den stets
gleichmäßig gekühlten Keller und darüber die Rebanlagen.
Spektakuläre, wenngleich nicht ganz preiswerte
Übernachtungsmöglichkeit, bietet die gigantische Klosteranlage Fontevraud (www.hotelfp-fontevraud.com)
unweit von Saumur.
Gegründet im Jahre 1101, galt sie lange Zeit als größte
ihrer Art in der westlichen Welt. Richard Löwenherz wurde dort begraben, ebenso
wie die Mitglieder des Königshauses Plantagenet. Ein wunderbarer Hafen der Ruhe
nach einer ausgedehnten Weintour dieser gleichfalls wunderbaren Region.
Neben alterungsfähigen Süßweinen gewinnen die Loire-Winzer
aus Chenin bekanntermaßen auch elegante Schaumweine. Ob reinsortig oder als
Cuvêe, die Crèmants der Appellation Saumur können sowohl interessante wie
preiswerte Alternativen zum Champagner sein. Neben den Crèmants aus dem Traditionshaus
Bouvet Ladubay (www.bouvet-ladubay.fr)
beeindruckten besonders die Schaumweine von Langlois-Châuteau (www.langlois-chateau.fr)
mit feiner Perlage und eleganter Frucht. Wenig verwunderlich, denn beide Häuser
gehören mittlerweile zum angesehenen Champagnerhaus Bollinger. Stets
beeindruckend: Das acht Kilometer in den Tuffstein geschlagene und mit allerlei
akustischen und visuellen Reizen ausgestatte Kellerlabyrinth von Bouvet
Ladubay.
In Saumur-Champigny erzeugt Yves Lambert von der Domaine de
Saint-Just (www.st-just.net)
Rot- und Weißweine von internationalem Format. Sein 2001er Cabernet Franc „Le
Clos Moleton“ hat mit den manchmal etwas „bäuerlich“ anmutenden Rotweinen
dieser Region wenig gemein. Im Gegenteil: Dieser Wein begeistert durch Substanz
und Finesse.
Dass es aber auch einmal
rustikaler sein darf, bewiesen die Weine der Domaine de Bablut und Château de
Brissac in Anjour-Saumur. Für sich allein genommen, mögen die Rotweine von
Christophe Daviau manchmal recht hart und unnahbar sein. Kombiniert man sie
aber mit den würzigen Pasteten oder hausgeräuchertem Speck dieser Region, kann
man sich nichts Besseres dazu vorstellen. Bon appétit.
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08. September 2010








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