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2003 Orizzonte
Christian Zündel
Beride, Tessin

Köln, im Mai 2006

 

Sehr geehrter Herr Zündel!

 

Sie rühren sich nicht mehr. Nun denken Sie aber nicht, dass ich dafür kein Verständnis hätte. Es gibt, weiß Gott, jetzt Wichtigeres zu tun, als Termine zu vereinbaren. Jetzt, wo der Frühling mit aller Macht auch über Ihr Land hereingebrochen ist. Das ist mir schon klar, da sitzen Sie jetzt nicht am Schreibtisch und beantworten Mails.

Nun habe ich Ihren 2003 Orizzonte getrunken, der einen solchen Eindruck bei mir hinterließ, mich regelrecht dazu zwang, diesen Brief zu formulieren. Verbunden mit der vagen Hoffnung, dass ich Sie dermaleinst doch einmal besuchen darf.

Es ist mittlerweile bekannt, dass das Tessin Quelle herausragender Merlots sein kann. Trotzdem, so einer wie dieser, mit einer kleinen Portion Cabernet, ist mir am Ende doch nur selten unter die Nase gekommen: Nach gut einem Tag an der mehr oder weniger frischen Luft, steigt eine Landschaft aus dem Glas, wie ich sie mir im Detail (leider!) nur abstrakt vorstellen kann: Drama und Lustspiel. Schroff und leidenschaftlich. Der Orizzonte ist ein außerordentlich fordernder Wein, der seine Herkunft und seinen Jahrgang, so scheint es mir, nicht leugnen kann (soweit ich das überhaupt einschätzen kann). Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Ihnen daran gelegen war, aus einem extrem heißen Jahr einen Wonneproppen entstehen zu lassen. Tatsächlich spiegelt der Wein die Hitze gnadenlos wider: seine Nase erinnert zuweilen an ein kaltes Lagerfeuer, Nelke und Pflaumen kommen hinzu - Steinchen aus seinem Aromenmosaik. Im Mund geht der Orizzonte nicht gerade zimperlich mit mir um: seine Pflaumen- und Brombeerfrucht bleibt dezent, dabei ist er überaus würzig und vor allem „steinig“. Seine Tannine sind noch streng. Aber das wird sich geben. Über seinen hohen Alkohol muss man eigentlich nicht mehr sprechen. Nur darüber, dass er eben nicht alkoholisch schmeckt.

Ein harter Brocken, Ihr 2003 Orizzonte, an den ich mich langsam heran trinken musste. Doch ich wurde mit einem einzigartigen Wein belohnt!

 

Mit feinsten Grüßen

 

Axel Biesler

 

 

Bezugsquelle und Preis:

unverbindliche Preisempfehlung: ca. € 38.-
zu beziehen über:
www.weinmacher-mit-profil.de

 

08. September 2010

 

 

 

 

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aktualisiert am 17.03.2007